• annettehasselbeck

Gastvortrag: Kunsthochschule Halle Burg Giebichenstein


in den Grundlagen 3D-Material. Form. Objekt, Prof. Reiner Matysik, Doz. Markus Zimmermann.


Poesie des Alltäglichen: DIY, Material- und Raumtaktiken in der postdigitalen Kunst- und Alltagswelt

#DIY #Materialien des Alltags #Materialtaktiken #Raumpraxen #Postdigital #Kunst der Handlung #KÖRPER I RAUM I BEWEGUNG #mediale Modulation/Intermedialität


Kunst, Design und Material stehen in einem spannungsvollen Beziehungsdreieck: Sensibilisierung der Wahrnehmung, Lust an der Ästhetik und Sinnlichkeit von Material, innovative und überraschende Formfindungen sind Gemeinsamkeiten. Das Unterlaufen von etablierten Gestaltungsweisen und ästhetische Neusetzungen gehören zum Design ebenso wie zur Kunst. In der Frage der Nützlichkeit und Funktionalität klafft ein Graben. Die Kunst soll davon frei sein. Das Design ist darauf ausgerichtet.

Im Alltag begegnen uns Gegenstände und Räume vor allem als standardisierte und massenproduzierte Objekte. Doch wie sieht der individuelle Umgang mit diesen Räumen, Gegenständen und Materialien aus? Wie ist der Umgang mit diesen industriell vorgefertigten Strukturen und Materialien? Mit seiner Theorie einer „Kunst des Handelns“ (1988) wirft der französische Philosoph Michel de Certeau den Blick auf die Konsument*innen und stellt Foucaults Analyse der Machtstrukturen seine Beobachtungen entgegen: Die Konsument*innen unterlaufen die vorgegeben Strukturen durch ihr Handeln auf zahlreiche Weisen. Dabei handeln sie taktisch, listreich und poetisch. Künstler*innen haben die Lebenswelt und damit auch die Materialien des Alltags längst als Fundus und Ausgangspunkt künstlerischen Handelns entdeckt.

Wir wenden den Blick auf materielle Modulation in Alltag und Kunst: DIY/Hacks und künstlerische Positionen zeigen, wie Material durch Verfremdung, Umnutzung, Umformung neue Handlungsräume und Wahrnehmungsmöglichkeiten eröffnen kann. Objekte und Materialien bewegen sich durch mediale Modulation von der Alltagswelt in die Kunstwelt.

Dabei lässt sich beobachten, was die aktuelle Medientheorie postuliert: Die Aufhebung der Abgrenzbarkeit von Medien und Material. Exemplarische Materialstrategien von Künstler*innen aus Alltag und Kunst zeigen Wege zu eigenen Ausdrucksformen.

Gemeinsam diskutieren wir die Fragen:

Wo ist die Schwelle, an der ein Material/Medium eine andere Form, einen anderen Bezug bekommt? Bildet das Material/Medium Schleusen zwischen der Kunst- und der Alltagswelt? Was und wie können Designer*innen und Künstler*innen von der „Kunst des Handelns“ der Verbraucherinnen im Alltag lernen? Wie steht es um die Entfaltung des machtkritischen, emanzipatorischen Potentials von DIY in Kunst, Alltag und Design?

Bieten die Beobachtungen von Grenzüberschreitungen, Umnutzungen, Formfindungen von Raum und Material eine Möglichkeit die eigene künstlerisch-gestalterische Praktik zu reflektieren und zu erweitern?


Die Diskussion um Materialstrategien, Raumpraktiken und Wahrnehmung von Räumen, Materialien und dem eigenen Körper soll Arbeitsgrundlage für die Aufgabe/das gestalterische Peer-to-Peer-Projekt mit dem Kunst/Kunstpädagogikseminar der Universität Siegen sein.


Annette Hasselbeck