ReThinking the City – Imaginationen des Urbanen

SoSe 2020 I Seminar mit praktischer Übung

Das Seminar ist geöffnet für Studierende aller Kunstlehrämter, sowie der Kunstgeschichte, Sozialen Arbeit, BAStEI oder Architektur.

Schwerpunkt des Seminars ist die Erkundung des Stadtraumes mit künstlerischen Methoden und die künstlerische Auseinandersetzung mit der Darstellung von Städten in der Kunst, im Kunstunterricht sowie nicht kunstbezogenen Bereichen, wie Geografie oder Werbung.
In einem praktischen Teil wird die Stadt künstlerisch erkundet und eigene Wahrnehmungsimpulse für andere entwickelt, die die die Besonderheiten der Stadt Siegen einbeziehen. In eigenen Projekten werden Derives, Malerei, Fotografie, Zeichnung, Mapping, künstlerische Forschung, Modellbau zur Erfahrung und Repräsentation des Stadtraumes eingesetzt. Der Begriff Stadtbild wird in der Praxis neu gefüllt und theoretisch reflektiert. Im theoretischen Teil des Seminars wird das Verhältnis von Bild und Stadt untersucht und die eigene Vorgehensweise reflektiert. Kunsthistorische Positionen wie Lorrains Veduten oder Henry Cartier-Bressons Momentaufnahmen werden dabei ebenso im Mittelpunkt stehen wie aktuelle Stadtkampagnen und Urban Art.
Die kunstpädagogische Perspektive auf die praktische und theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema „Stadtbild“ zielt auf eine mögliche Thematisierung im Kunstunterricht und der freien Kunstpädagogik sowie auf das Erkenntnispotenzial für angrenzende Bereiche wie Architektur und Kunstwissenschaft.
Unter dem Aspekt der inklusiven Bildung wird es Einblicke in empirisches Material (Fotografien. Malerei, Skizzen, Interviews von Jugendlichen) geben.

 

Folding Space – Der digitale Austausch wird Papier

Zum Abschluss des digitalen Seminars entwickelten wir ein ganz phyisches und  –passend zur Stadtraumerkundung – mobiles Ausstellungskonzept: Ein partizipatives Künstler*innenbuch mit Wahrnehmungsimpulsen, künstlerischen Arbeiten im Posterformat und Texten

 

Digitale Gastvorträge – ReThinking the City ... in der Kunstpädagogik 

SoSe 2020, Dienstag, 19. 05. + 26.05.2020, 16:30 Uhr

Das Seminar „ReThinking The City – IMAGINATIONEN DES URBANEN“ (wiss Mit. Annette Hasselbeck) geht der Frage der bildnerischen Auseinandersetzung mit der Stadt, ihren Orten, Räumen und Architekturen in Kunst und Kunstpädagogik nach. Die Stadt als ästhetisches, kulturelles und soziales Gebilde steht bei der künstlerischen Auseinandersetzung im Vordergrund. Um das Erkenntnispotential der bildnerischen Auseinandersetzung mit Stadt aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten, werden angrenzende Disziplinen (Stadtsoziologie und -forschung, Architektur, Philosophie) mit einbezogen. Für das Feld der Kunst und der Archäologie konnten zwei Vortragende gewonnen werden, die ihre Auseinandersetzung mit urbanen Orten aus ihrer Perspektive vorstellen und sich dem künstlerischen und kunstpädagogischen Diskurs im Seminar stellen. Die Archäologin Erika Holter und der Künstler Benedikt Terwiel erkunden aus ihrer Disziplin heraus urbane Räume. Das urbane Leben wurde durch die Corona-Maßnahmen in eine Krise gestürzt. Was passiert mit den schwindenden oder unzugänglichen Räumen? Ist es möglich Raumerfahrung zu simulieren oder zu transformieren?

Konzept und Organisation: Annette Hasselbeck I Anmeldung per Mail an: annette.hasselbeck@uni-siegen.de

19/ 05 / 20 Benedikt Terwiel

 Künstler, Berlin

ORTSMESSUNG IN ZEITEINHEITEN

Die Stadt als Landschaft.

Als „Supernest einer einzigen sozial lebenden Tierart, ganzjährig bevölkert und beheizt“ bezeichnete der Berliner Biologe Bernhard Kegel, in einem kürzlich im Tagesspiegel erschienen Artikel, unsere Städte. Seine Beschreibung provoziert ein Stadt- Landschaftsbild jenseits der Gegenüberstellung von Natur und Kultur und fordert uns ein Verständnis unseres Lebensraums ab, in dem die theoretischen und konkreten Grenzen neu gedacht und in neue Bilder gefasst werden müssen.

Seit einigen ausgedehnten Wanderungen sind Karten ein fester Teil meiner bildnerischen Arbeit zur Landschaft. Ihre Darstellungskonventionen erlauben es, zeitlich und räumlich getrennte Orte und Gegenstände in Beziehung zu setzen und die verschiedenen Ebenen komplexer Zusammenhänge in Schichten lesbar zu machen, was sie gleichermaßen als Bild und als Werkzeug für fast jeden Aspekt heutigen Lebens unentbehrlich macht.

Insbesondere die kartographische Vermessung formt seit ihrer Verbindung mit der Photographie im 19. Jahrhundert als eigenständiges bildnerisches Medium das moderne Stadt-Landschaftsbild wie kaum ein anderes und verändert nachhaltig unser Verständnis von Raum. In meinem Vortrag werde ich die Arbeit „Ortsmessung in Zeiteinheiten“ vorstellen. Eine 40 km lange Tageswanderung durch Berlin, von Ost nach West und von Sonnenauf- bis -untergang.

26 / 05 /20 Erika Holter

Archäologin, Winckelmann-Institut für Klassische Archäologie I Interdisziplinäres Labor Bild Wissen Gestaltung,

Humboldt-Universität zu Berlin

ANTIKE STÄDTE ERFAHREN

​Digitale Rekonstruktion und Simulation zwischen Forschung und Vermittlung

digitale Simulation von urbanen Orten Forum Romanum Rethinking the city

 

​Die Archäologie beschäftigt sich mit vergangenen Architekturen, die uns heute nur in Ruinen überliefert sind. Daher ist es ein zentrales Anliegen der Archäologie, antike Räume zu rekonstruieren. Es geht dabei nicht (nur) darum, ein Verständnis für die visuelle und statische Wirkung der Architektur zu gewinnen, sondern auch zu fragen, wie eine dynamische Wahrnehmung diese Orte erst verständlich macht. Anhand der öffentlichen Räume in den zwei größten Städten der Antike (das Forum in Rom und die Pnyx in Athen) möchte ich zeigen, wie digitale Rekonstruktionen und Simulationen es der Archäologie nun erlauben, sich diesen Fragen zu nähern: vom Prozess der Herstellung eines digitalen Modells bis zur Implementierung digitaler Rekonstruktionen in die virtuelle Umgebung einer Game Engine. Dabei geht es auch darum, die epistemischen Grenzen der Rekonstruktion und Simulation zu ertasten: Video Spiele bedienen sich einer eigenen Ästhetik, unterliegen bestimmten Regeln und verfolgen andere Ziele – anders als sich einer historischen Authentizität anzunähern, wie in der archäologischen Forschung der Fall. Eine historische Simulation, die mit denselben Tools arbeitet, darf daher neben dem antiken Kontext die eigene Perspektivität nicht aus dem Blick verlieren.

Mehr zu den Simulationen unter

Abbildungen:  © digitales forum romanum